Die “Corporate Sustainability Reporting Directive” (CSRD) einfach erklärt

Die Richtlinie ist die Weiterentwicklung der seit 2018 geltenden Non-Financial Reporting Directive (NFRD). Sie wurde in Deutschland mit dem CSR-Richtlinien-Umsetzungsgesetz in nationales Recht überführt. An der CSRD wird derzeit in der Kommission der EU gearbeitet (siehe hier zum aktuellen Sachstand). Was wird mit der Novellierung auf die Unternehmen zukommen?

 

Was ist das Ziel?

  • Die EU möchte die Offenlegung von Informationen mit sozialem und Nachhaltigkeitsbezug fördern.
  • Davon verspricht sich die EU, dass Investoren, die Zivilgesellschaft, Konsumenten und Politiker sowie andere Stakeholder die nicht-finanziellen Leistungen von Unternehmen besser beurteilen und diese ggf. stärker fördern bzw. einfordern können.

 

Ab wann gilt sie?

  • Die Richtlinie wird 2022 von der EU verabschiedet; die nationalen Parlamente müssen sie bis zum 1.12.2022 umgesetzt haben.
  • Die Berichte ab dem Geschäftsjahr 2023 müssen den Berichtsstandards der neuen Richtlinie entsprechen.
  • Für das Geschäftsjahr 2024 wird es eine Erweiterung des Berichtsstandards geben.
  • Kleinere und mittlere Unternehmen müssen erst ab 2026 dem neuen Berichtsstandard folgen.

 

Wer ist betroffen?

  • Alle börsennotierten Unternehmen bzw. Unternehmen mit börsennotierten Verbindlichkeiten (außer Kleinstunternehmen). KMUs erst ab 2026.
  • Darüber hinaus auch alle nicht-börsennotierten Unternehmen, für die mindestens zwei der folgenden drei Kriterien gelten: mehr als 250 Mitarbeiter, mehr als 40 Mill. € Umsatz, eine Bilanzsumme von größer 20 Mill. €.
  • Nicht betroffen sind KMUs ohne Börsennotierung und Kleinstunternehmen mit Börsennotierung.

 

Was muss berichtet werden?

Der Bericht muss dem Double Materiality-Ansatz folgen, d.h. es müssen Nachhaltigkeitsrisiken für den Unternehmenswert sowie die Auswirkungen des Unternehmens für Gesellschaft und Umwelt dargestellt werden.

Der Prozess, in dem diese Materialität unter Einbezug von Stakeholdern bestimmt wurde, muss dokumentiert werden.

Unternehmen müssen entlang der „Reporting Rule of Three“ berichten:

  • Three Topics: Thematisch orientiert sich der Bericht am ESG-Framework, also an den Reporting-Dimensionen Umwelt (Environment), soziale Verantwortung (Social Responsibility) und gute Unternehmensführung (Corporate Goverance). ESG-Kriterien sind nichts anderes als ein Katalog von Eigenschaften, die Unternehmen aufweisen sollen.
  • Three Reporting Areas: Es muss dargelegt werden, welche Strategie die Unternehmen für mehr ESG verfolgen, welche Implementationsschritte erfolgen und wie der Fortschritt gemessen wird.
  • Three Layers: Es müssen sektoragnostische, sektorspezifische und unternehmensspezifische Indikatoren berichtet werden. Die konkreten Indikatoren wird die EU aus einer Reihe von internationalen Reporting-Initiativen übernehmen, insb. GRI, SASB, VRF.

 

Wie muss berichtet werden?

  • Die berichteten Informationen müssen auditiert und beglaubigt werden.
  • Der Bericht ist als Teil des Management Reports anzulegen.
  • Einzureichen ist eine elektronische Form (in XHTML, gem. der Regulierung der ESEF), die u.a. maschinenlesbar ist.

 

Für eine erfolgreiche Umsetzung wird nicht allein ein Bericht ausreichend sein. Die Berichtspflicht umfasst schließlich auch Strategie, Umsetzung und Performance. Darum sind Unternehmen fundamental gefordert: Sie müssen nicht einfach berichten, sondern eine ESG-Transformation in Angriff nehmen. Das gilt umso mehr, da dies auch Kapitalmärkte sowie Zivilgesellschaft und Konsumenten fordern. In Zeiten von Moralisierung, Politisierung und Polarisierung der Öffentlichkeit sind diese Berichte Zündstoff, wenn sie unauthentisch kommunizieren und nichts als Fassade sind. Eine ernsthaft angegangene Transformation der Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit, sozialer Verantwortung und guter Unternehmensführung ist eine große Herausforderung: für Management, IT, Recht- und Compliance-Abteilung, Produktentwicklung, Supply-Chain-Management, HR und Mitarbeitervertretungen.

 

Unsere Autoren

Dr. Erik Fritzsche

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