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28. August 2024
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28. August 2024Ist ESG wirklich so komplex?
Im Bereich der ESG-Beratung und Software zeichnet sich leider ein unzweckmäßiges „Angstmarketing“ ab. Gesendet werden folgende Botschaften:
- Es seien fast 1.200 Datenpunkte zu berücksichtigen.
- Die Wesentlichkeitsanalyse sei extrem komplex und erfordere zahlreiche Parameter.
- Ohne spezialisierte Software oder KI seien die Herausforderungen kaum zu bewältigen.
- Beratung sei unverzichtbar, um den Prozess erfolgreich zu meistern.
Solche Botschaften suggerieren, die CSRD sei eine übermächtige Herausforderung, eine Art unbezwingbare Hydra, die von Bürokraten geschaffen wurde. Unternehmen sehen Komplexität und Hürden, statt möglichen Nutzen zu erkennen. Die Konsequenz: Statt zu handeln, verfallen sie in Schockstarre.
Sicherlich gibt es Anforderungen und Standards, die berücksichtigt werden müssen, und auch die Datenerhebung kann aufwendig sein. Dennoch ist ESG-Berichterstattung kein Selbstzweck. Sie dient dazu, strategische Chancen zu nutzen, Risiken zu minimieren und klaren Mehrwert für das Unternehmen zu schaffen. Angstmarketing jedoch verengt die Perspektive, und verstellt den Blick auf den eigentlichen Kern: den nachhaltigen und strategischen Umgang mit ESG-Themen.
Drei Thesen für die CSRD-Umsetzung
- Pragmatismus statt Überwältigung
Der Einstieg in die ESG-Berichterstattung sollte Schritt für Schritt erfolgen. Es braucht konkrete und nachvollziehbare Ansätze, die Unternehmen dabei unterstützen, pragmatisch mit ESG zu beginnen. - Software als Unterstützer, nicht als Bedrohung
Softwarelösungen können eine wichtige Rolle spielen, wenn sie Unternehmen dabei helfen, Prozesse zu vereinfachen und Daten effektiv zu analysieren. Sie sollten jedoch als Hilfsmittel verstanden werden – nicht als zwingende Voraussetzung oder Allheilmittel. - Beratung zur Selbsthilfe
Beratung muss darauf abzielen, Unternehmen zur Eigenständigkeit zu befähigen. Statt Abhängigkeiten zu schaffen, müssen Berater Wissen vermitteln und Handlungsstrategien aufzeigen.
Zählen und Messen sind nicht das Wesentliche
ESG-Berichterstattung ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist die konzeptionelle Klarheit: Was bedeutet ESG für das Unternehmen? Welche strategischen Chancen können sich ergeben? Wie kann ESG so integriert werden, dass es die Ziele des Unternehmens unterstützt? Gerade die CSRD bietet für Unternehmen erhebliche und zu wenig diskutierte Spielräume, die Berichterstattung schrittweise und zweckmäßig umzusetzen. Stattdessen entstehen durch übertriebene Warnungen und Komplexitätsbehauptungen unnötige Einstiegshürden, die das Potenzial von ESG untergraben.
Ein Aufruf zur Klarheit und Unterstützung
Die Kommunikation rund um ESG sollte darauf abzielen, Unternehmen zu ermutigen, den ersten Schritt zu gehen. Zählen und Messen sind Werkzeuge, keine Ziele. ESG als integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie zu verstehen und so einen Mehrwert zu schaffen – das sollte das Ziel sein: für die Organisation, die Stakeholder und die Umwelt. Ein Ansatz, der auf Klarheit, Pragmatismus und echte Unterstützung setzt, wird langfristig nicht nur erfolgreicher sein, sondern auch die Akzeptanz und den Nutzen von ESG, CSRD und EU stärken.

Während Bußgelder theoretisch möglich sind, liegt der Fokus der Regulierer zunächst auf der Vollständigkeit und der Bemühung. Die größte „Strafe“ ist oft der Reputationsverlust bei Investoren und Kunden, nicht sofort das Bußgeld.
Konzentration auf die wesentlichen Themen (Wesentlichkeitsanalyse), Nutzung vorhandener Datenstrukturen und die Auswahl von Tools, die zum Unternehmen passen, statt „Over-Engineering“ durch komplexe Software-Monster.
Die CSRD bietet die Chance, die eigene Lieferkette resilienter zu machen, Fachkräfte durch glaubwürdige Werteorientierung zu binden und sich gegenüber dem Wettbewerb als zukunftsorientierter Partner zu positionieren.
Die Erklärung der zwei Perspektiven: Inside-Out (Einfluss des Unternehmens auf Umwelt/Gesellschaft) und Outside-In (Einfluss von Nachhaltigkeitsaspekten auf den Geschäftserfolg). Ohne diese Analyse ist kein CSRD-Bericht valide.

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Dr. Erik Fritzsche
Senior Consultant Strategic Communication
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